Ein Portfolio kann im Aufschwung breit gestreut wirken und im Abschwung wie eine einzige Wette aussehen. Genau hier wird die etf entwicklung zur harten Prüfung: Nicht die Volatilität, sondern der maximale Verlust zeigt, ob Streuung im Stress wirklich trägt. Wer Drawdowns einzelner Positionen mit dem Gesamtportfolio vergleicht, erkennt, ob vermeintliche Diversifikatoren in der Krise dämpfen oder gleichzeitig fallen. Das ist empirisch prüfbar statt Bauchgefühl.
Dieser Beitrag erklärt, warum der maximale Verlust mehr über Diversifikation sagt als die Volatilität, wie Drawdown aus Hoch, Tief, Dauer und Erholung korrekt definiert wird und was Einzelaktien-Drawdowns aus den Daten von Morgan Stanley und Bessembinder zeigen. Anschließend ordnen wir die Übertragbarkeit auf ETFs ein, zeigen die Prüfmethode in vier Schritten und analysieren Korrelationen in Stressphasen. Dazu kommen Praxisaspekte zu Datenbasis, Währung und Steuern, die Unterstützung durch Investboard sowie Verhalten in der Krise mit Risikolimits statt Prognosen. Am Ende stehen drei Schritte zur empirischen Diversifikationsprüfung. So wird aus einer vagen Diversifikationsidee eine belastbare Entscheidungsgrundlage für das ETF-Depot.
Warum der maximale Verlust mehr über Diversifikation sagt als die Volatilität
Volatilität und maximaler Drawdown beantworten unterschiedliche Fragen. Die Volatilität misst, wie stark die Renditen um ihren Mittelwert streuen. Der maximale Drawdown misst dagegen den real erlebten Rückgang vom Hoch bis zum Tief, also genau die Kennzahl, die Anlegerverhalten auslöst: die Zahl im Depot, die zum Verkauf verleitet.
In ruhigen Marktphasen wirken nahezu alle Depots breit gestreut. Erst die tiefste Verlustphase zeigt, ob die Positionen gleichzeitig fallen oder sich gegenseitig dämpfen. Ein Depot mit zwanzig Positionen kann im Aufschwung diversifiziert aussehen und im Stress wie eine einzige Wette abschmieren.
Reine Renditecharts verschleiern diesen Unterschied. Wer die ETF-Entwicklung nur über die Endrendite beurteilt, sieht nicht, welchen Weg das Portfolio genommen hat. Dieselbe Endrendite kann mit einem zwischenzeitlichen Verlust von 15 Prozent oder von 50 Prozent einhergehen. Der Unterschied entscheidet darüber, ob ein Anleger im Tief durchhält oder aussteigt.
Hinzu kommt: Der Drawdown ist empirisch prüfbar. Er lässt sich aus Kursreihen berechnen, im Rückblick exakt und im direkten Vergleich zwischen Einzelpositionen und Gesamtdepot. Die Selbsteinschätzung der eigenen Risikotoleranz ist dagegen notorisch unzuverlässig. Wer im ruhigen Markt glaubt, 40 Prozent Verlust auszuhalten, handelt im Drawdown oft anders. Begriffe wie Drawdown, Unterwasser-Kurve und Erholungsdauer sollten daher sitzen, bevor Sie Ihr eigenes Depot beurteilen: Glossar für Anleger.
Der Beitrag liefert deshalb die Definition, die Datenlage, eine konkrete Vergleichsmethode für Positions- und Depot-Drawdown, die Grenzen der Übertragbarkeit von Einzelaktien-Daten auf ETFs und den Verhaltensaspekt.
Drawdown korrekt definiert: Hoch, Tief, Dauer und Erholung
Die Definition ist bewusst eng: Ein Drawdown ist der prozentuale Rückgang vom höchsten Kursstand bis zum darauffolgenden Tief, bevor ein neues Hoch erreicht wird. Ein einzelner Drawdown meint eine konkrete Verlustphase, der maximale Drawdown den größten Verlust im gesamten Betrachtungszeitraum. Der maximale Drawdown ist damit der Extremwert, nicht der Durchschnitt. Für den Vergleich von Positionen und Gesamtdepot ist er die zentrale Größe, weil er die tiefste gemeinsame Verlustphase abbildet.
Drei Dimensionen zählen: Tiefe, Dauer bis zum Tief und Dauer bis zur Erholung. Ein Verlust von 30 Prozent über vier Jahre wiegt psychologisch anders als derselbe Verlust über vier Monate. Erst alle drei Dimensionen zusammen beschreiben die Belastung, die eine Verlustphase tatsächlich erzeugt. Wer seine tatsächliche Risikotoleranz ermitteln will, sollte dafür Szenarien und historische Daten nutzen statt standardisierter Fragebögen, wie unter Risikoprofil selbst bestimmen beschrieben.
Die Berechnung folgt einem einfachen Verfahren: Man schreibt das laufende Hoch mit, berechnet zu jedem Zeitpunkt den Abstand zum Hoch und bestimmt das Minimum. So entsteht die Unterwasser-Kurve, die den Verlauf der Verluste sichtbar macht. Ergänzende Kennzahlen sind die Calmar-Ratio als Verhältnis von Rendite zu maximalem Drawdown sowie die Erholungsdauer als Maß für die Geduld, die eine Strategie verlangt.
Methodische Grenze: Wo das Tief lag, ist erst im Rückblick bekannt. Ein Drawdown ist deshalb eine Diagnose, keine Prognose.
Was Einzelaktien-Drawdowns zeigen: Datenlage von Morgan Stanley und Bessembinder
Morgan Stanley: 6.500 US-Unternehmen, 1985 bis 2024
Die breiteste verfügbare Datenbasis zu Einzelaktien-Drawdowns stammt von Morgan Stanley (Counterpoint Global). Untersucht wurden über 6.500 US-Unternehmen im Zeitraum 1985 bis 2024. Der mediane maximale Drawdown lag bei 85 Prozent, der Durchschnitt bei 81 Prozent. Der mediane Zeitraum vom Hoch bis zum Tief betrug 2,5 Jahre. Tiefe Verluste sind damit kein kurzes Ereignis, sondern eine Phase, die Anleger über Jahre aushalten müssen.
Munger und die Normalität des Rückgangs
Charlie Munger hielt Rückgänge von 50 Prozent zwei bis drei Mal pro Jahrhundert für normal für Aktieninhaber. Seine Partnerschaft wuchs von 1962 bis 1975 jährlich um 19,8 Prozent, erlebte aber in den zwei Jahren bis 1974 einen Drawdown von 53,4 Prozent. Amazon verlor zwischen Dezember 1999 und Oktober 2001 rund 95 Prozent seines Kurses, obwohl das Unternehmen langfristig enormen Wert schuf. Selbst die sechs größten Unternehmen kommen im Durchschnitt auf einen maximalen Drawdown von 80,3 Prozent.
Bessembinder: die Kehrseite der Einzeltitelauswahl
Bessembinder-Daten zeigen die andere Seite: Knapp 60 Prozent der untersuchten US-Aktien lagen unter der Rendite von US-Schatzwechseln, rund 2 Prozent der Unternehmen erzeugten etwa 90 Prozent der Wertschöpfung. Die Studie "Do Stocks Outperform Treasury Bills" dokumentiert diese extreme Schieflage der Einzeltitelrenditen.
Grenzen der Einordnung
Drei methodische Einschränkungen gehören dazu: Betrachtet wurden Kursveränderungen statt Gesamtrenditen, ausgeschiedene Unternehmen blieben außen vor, und die Auswahl erfolgte rückblickend. Wer aus diesen Zahlen eine Allokationsregel ableiten will, etwa zum Anteil von Schwellenländer-ETFs im Anlagemandat, braucht deshalb einen eigenen Entscheidungsrahmen statt einer Daumenregel. Die Werte beschreiben Einzelaktien, nicht breit gestreute ETFs.
Was das für ETFs bedeutet und wo die Übertragbarkeit endet
Die zuvor genannten Werte beschreiben ausschließlich Einzelaktien. Wer den medianen Drawdown von 85 Prozent auf einen Welt-ETF überträgt, begeht einen Kategorienfehler. Ein Fonds mit tausenden Titeln verteilt das Einzeltitelrisiko auf viele Schultern, einzelne Zusammenbrüche treffen nur einen Bruchteil des Depots. Die Morgan-Stanley-Auswertung zum durchschnittlichen US-Einzeltitel ist genau das: eine Aktienstudie, keine Fondsstudie.
Diese Streuung dämpft den Einzeltitel-Drawdown, beseitigt aber nicht das Marktrisiko. Breite Aktienindizes verloren in den Jahren 2000 bis 2002 und 2008/2009 jeweils rund 50 Prozent. Ein Welt-ETF ist zudem nach Marktkapitalisierung gewichtet und dadurch stark in US-Aktien investiert, ein Klumpen, der in globalen Abwärtsphasen mitfällt.
Übertragbar ist:
die Methodik des Hoch-Tief-Vergleichs,
die Erwartungshaltung, dass tiefe Rückgänge zur Aktienanlage gehören,
die Frage nach Dauer bis zum Tief und Dauer bis zur Erholung.
Nicht übertragbar sind die konkreten Prozentwerte aus dem Einzeltitel-Universum.
Versteckte Klumpen verändern den Portfolio-Drawdown zusätzlich. Sektor-, Länder- und Faktorkonzentration sowie Überschneidungen zwischen mehreren ETFs können die Streuung im Stress neutralisieren. Wer drei verschiedene Welt-ETFs hält, besitzt dieselben Top-10-Werte dreifach. Auch die Titelzahl täuscht: Ein Index mit 1.600 Werten kann zu einem erheblichen Teil von wenigen Unternehmen getragen werden.
Praktische Konsequenz: Beurteilen Sie die ETF-Entwicklung nicht über die Endrendite, sondern über die Verlusttiefen in definierten Stressfenstern, berechnet mit den echten eigenen Beständen. Ob die gewählte Anlagestrategie für Privatanleger zu Ihrem Risikobudget passt, zeigt sich nicht im Renditechart, sondern im Ausmaß der zwischenzeitlichen Verluste.
Nutzen Sie die Morgan-Stanley-Erkenntnisse als Hintergrund, kennzeichnen Sie die begrenzte Übertragbarkeit und prüfen Sie Ihre Diversifikation mit realen Portfolio- und Positionsreihen statt mit Schätzungen.
Positions-Drawdown gegen Depot-Drawdown: die Prüfmethode in vier Schritten
Die methodische Übertragung steht, jetzt folgt die konkrete Prüfung. Der Ansatz ist bewusst einfach und in vier Schritten reproduzierbar.
Schritt 1: Einheitliches Zeitfenster festlegen
Wählen Sie einen Zeitraum, der mehrere Stressphasen enthält, etwa 2000 bis 2026 mit den Abschnitten 2000 bis 2002, 2008/2009, 2020 und 2022. Entscheidend ist, dass alle Positionen exakt dasselbe Fenster verwenden.
Schritt 2: Positions-Drawdown berechnen
Ermitteln Sie für jede Position den maximalen Rückgang vom Hoch bis zum Tief im identischen Fenster. Nutzen Sie idealerweise Total-Return-Reihen, um Ausschüttungen einzubeziehen.
Schritt 3: Depot-Drawdown berechnen
Berechnen Sie denselben Wert für das Gesamtdepot, gewichtet nach den tatsächlichen Positionsgrößen zum jeweiligen Zeitpunkt. Die Gewichtung darf nicht mit heutigen Beständen rückwärts gerechnet werden, sonst entsteht eine verzerrte Reihe. Vom Depot zu den Positionen.
Schritt 4: Verhältnis bilden
Setzen Sie den Depot-Drawdown ins Verhältnis zur schwächsten und zur stärksten Einzelposition. Diese Relation ist die eigentliche Diversifikationskennzahl.
Interpretation: Liegt der Depot-Drawdown nahe am Durchschnitt der Positionen, hat die Streuung kaum gedämpft. Liegt er deutlich darunter, haben sich Positionen im Stress tatsächlich entkoppelt. Ein Depot, das 35 Prozent verliert, während Einzelpositionen 60 Prozent abgeben, hat seinen Zweck erfüllt.
Datenfallen: Zuflüsse, Sparpläne und Umschichtungen verzerren die Reihe. Für einen sauberen Vergleich entweder alle Positionen gleich behandeln oder eine reine Kursreihe ohne Cashflows verwenden. Wer Sparpläne nutzt, sollte dieselbe Methode auf alle Positionen anwenden oder die Analyse auf Einmalanlagen beschränken, um Vergleichbarkeit zu wahren.
Korrelation in Stressphasen: der eigentliche Diversifikationstest
Die Drawdown-Relation zeigt, dass Streuung gewirkt hat. Sie zeigt nicht, ob die Positionen im Stress strukturell entkoppelt waren oder nur unterschiedlich stark fielen. Diese Frage beantwortet die Korrelation, und zwar ausschließlich in den Verlustfenstern.
Korrelationen sind in ruhigen Märkten niedrig und steigen im Abschwung häufig deutlich an, also genau dann, wenn Streuung gebraucht wird. Für die fünf größten Aktienmärkte belegt die Studie von Longin und Solnik, dass Korrelationen vor allem im fallenden Markt steigen, nicht bei hoher Volatilität allein. Historisch lagen die Korrelationen des US-Marktes mit Deutschland bei 0,39 und mit Japan bei 0,27, ein Befund aus Daten vor 2001.
Prüfmethode: Nur die zuvor identifizierten Drawdown-Fenster betrachten und dort die Korrelation der Tages- oder Wochenrenditen zwischen den Positionen vergleichen. Das bleibt eine Beobachtung im Stresssample, kein Beweis für eine dauerhaft höhere Strukturkorrelation. Wer nach großen absoluten Renditen filtert, zerlegt eine konstante Korrelation von 0,50 in bedingte Werte von 0,21 und 0,62 und zieht daraus falsche Schlüsse.
Typische Muster: Aktien, Immobilien- und Hochzinsanleihen fallen oft gemeinsam, während Staatsanleihen hoher Bonität und Gold je nach Phase unterschiedlich reagieren. Unter welchen Bedingungen diese klassischen Diversifikatoren tatsächlich schützen, zeigt die Analyse der Rohstoff- und Anleihen-ETFs im Portfolio.
Diversifikation bedeutet nicht Immunität. Ein Depot-Drawdown von 35 Prozent bei Einzelpositionen von 60 Prozent ist ein Erfolg der Streuung, kein Konstruktionsfehler (Rechenbeispiel).
Scheindiversifikation erkennt dieselbe Analyse sofort: Zwei ETFs auf denselben Index oder mit identischen Top-10-Werten liefern keinen zusätzlichen Schutz, sondern verdoppeln denselben Klumpen. Die Korrelation liegt dann nahe eins.
Nichtlineare Risiken kommen hinzu. In Liquiditätskrisen können sich Korrelationen abrupt ändern, weil erzwungene Verkäufe selbst unabhängige Anlagen gemeinsam unter Druck setzen. Ein einzelnes historisches Fenster genügt deshalb nicht als Beweis für dauerhaften Schutz. Wer mehrere Stressphasen prüft, sieht, ob die Entkopplung stabil war oder einmalig. Ihre Belastbarkeit hängt allerdings an der Datenbasis.
Drawdown-Analyse in der Praxis: Datenbasis, Währung und Steuern
Wer die Korrelation in den Stressfenstern geprüft hat, steht vor der nächsten Frage: Auf welcher Datenbasis entsteht überhaupt eine belastbare Drawdown-Reihe? Sechs methodische Festlegungen entscheiden darüber, ob der Vergleich trägt.
Kursbasis oder Total Return: Dividenden und Ausschüttungen verkürzen die Erholungsdauer und heben den Endwert. Eine reine Kursreihe überschätzt die Verlusttiefe und unterschätzt die Zeit bis zum neuen Hoch. Für die Aussagekraft der Analyse ist die Total-Return-Reihe die bessere Grundlage, sofern sie für alle Positionen verfügbar ist.
Währung: Ein in Euro geführter ETF kann einen anderen Drawdown zeigen als der identische Index in US-Dollar, weil Wechselkurse die Verlusttiefe verstärken oder abfedern. Positionen unterschiedlicher Währungen gehören auf eine einheitliche Betrachtungswährung umgerechnet.
Datenfrequenz: Tagesdaten zeigen systematisch tiefere Drawdowns als Monatsdaten, weil Monatsreihen Zwischentiefs glätten. Die gewählte Frequenz muss in allen Positionen identisch sein, sonst vergleicht man Methoden statt Risiken.
Steuerliche Verzerrung in Deutschland: Nach einem Verlust muss die Rendite erst die Steuerlast aufholen. Ausschüttungen, Vorabpauschale nach § 18 InvStG und die Verlustverrechnung über den Verlustverrechnungstopf beeinflussen die Nach-Steuer-Erholung. Aussagen zur Besteuerung gehören an Primärquellen geprüft, also an BMF-Schreiben und Gesetzestexte. Wer die spätere Entnahmephase mitdenkt, findet in den häufigen Fragen zur Entnahmeplanung ergänzende Einordnung.
Sparpläne und Wiederanlage: Regelmäßige Käufe erzeugen eine andere Depotreihe als eine Einmalanlage, weil Zuflüsse im Tief zusätzliche Anteile schaffen. Für Vergleichbarkeit muss dieselbe Methode auf alle Positionen angewendet werden, entweder durchgehend cashflow-bereinigt oder mit identischem Sparplan.
Dokumentation: Zeitfenster, Datenquelle, Währung, Frequenz und Behandlung von Ausschüttungen schriftlich festhalten. Nur so bleibt die Analyse reproduzierbar und über mehrere Stressphasen hinweg vergleichbar, statt bei jeder neuen Auswertung andere Zahlen zu liefern.
Sind diese Festlegungen getroffen, lässt sich die Prüfung wiederkehrend und auf gleicher Grundlage durchführen.
Wie Investboard die eigene Drawdown-Prüfung unterstützt
Wer die Prüfung methodisch sauber aufgesetzt hat, steht vor der praktischen Frage nach der Datenbasis und der laufenden Umsetzung. Genau hier setzt Investboard an: Alle Depots und Positionen erscheinen in einer einzigen Ansicht. Damit lassen sich Positions- und Gesamtdepotreihen auf derselben Grundlage vergleichen, statt Kennzahlen aus verschiedenen Quellen mühsam zusammenzusuchen. Die Vergleichbarkeit, die der vorige Abschnitt fordert, wird so zur Standardsituation statt zur Ausnahme.
Ein zweiter Baustein betrifft die ETF-Struktur. Investboard blickt in die Bestandteile der Fonds und macht Überschneidungen sowie Klumpen in den Top-Holdings sichtbar. Wer erst im Drawdown feststellt, dass drei ETFs dieselben Schwergewichte halten, hat den Diversifikationstest bereits verloren. Diese Doppelungen werden vorab offengelegt, nicht erst in der Krise.
Hinzu kommt das persönliche Mandat. Nutzer definieren Ziele, Asset Allocation und Risikolimits. Bewegt sich das Depot im Verlustfall von diesen Vorgaben weg, erscheint das nicht als abstrakte Prozentzahl, sondern als Abweichung vom eigenen Plan. Aus einem diffusen Kursrückgang wird eine messbare Größe mit Referenzpunkt.
Ergänzend lassen sich Szenarien durchspielen. Das Verhalten des Depots unter angenommenen Marktbewegungen lässt sich mit der eigenen Drawdown-Toleranz abgleichen, bevor der reale Stress eintritt. Die Leistungsbeschreibung erläutert den funktionalen Rahmen dieser Werkzeuge.
Entscheidend ist die Rollenverteilung: Investboard liefert Analyse, Transparenz und Einordnung. Die Entscheidung bleibt beim Anleger. Es findet keine Orderausführung und keine Vermögensverwaltung statt. Das Werkzeug schärft den Blick, nimmt ihn aber nicht ab.
Verhalten in der Krise: Risikolimits statt Prognosen
Die Analyse liefert die Zahlen, die Entscheidung bleibt beim Anleger. Genau dort entsteht die Renditelücke, die sich empirisch messen lässt: In US-Fonds und ETFs verdiente der durchschnittliche investierte Dollar über zehn Jahre bis Ende 2024 rund 7,0 Prozent jährlich, während die Fonds selbst 8,2 Prozent erwirtschafteten. Die Differenz von 1,2 Prozentpunkten entsteht nicht durch Gebühren, sondern durch Timing. Verkauf am Tief, Einstieg nach der Erholung.
Drawdown-Toleranz zuerst, nicht im Absturz. Legen Sie vorab fest, welcher Verlust mit Ihrem Zeithorizont, Ihrer Sparrate und Ihren Zielen vereinbar ist, ohne dass der Plan kippt. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel Rendite möglich ist, sondern welchen zwischenzeitlichen Rückgang Sie aushalten, ohne Ihre Strategie zu ändern. Risikolimits gehören deshalb in den schriftlichen Anlageplan. Wer sie erst im fallenden Markt formuliert, entscheidet unter Stress und damit schlechter.
Drei typische Fehlerbilder strukturieren die Selbstprüfung: der Verkauf am Tief, das ungeplante Nachkaufen aus Euphorie oder Angst, und die Umdeutung von Risiko in Chance nach einer kräftigen Erholung. Alle drei entstehen, weil kurzfristige Kurse die langfristige Allokation überstimmen.
Rebalancing als Regel. Feste Bandbreiten, etwa fünf Prozentpunkte Abweichung von der Zielgewichtung, halten die Allokation im Rahmen, ohne dass Sie jeden Monat eingreifen. Das disziplinierte Zurücksetzen nach Rückgängen ist der systematische Gegenentwurf zum Bauchgefühl.
Realistische Erwartung. Charlie Munger hielt Rückgänge von 50 Prozent zwei bis drei Mal pro Jahrhundert für normal für Aktieninhaber. Wer diese Größenordnung vor der Krise kennt, bewertet einen Drawdown als Teil des Prozesses statt als Widerlegung der Strategie; und trifft im Tief genau deshalb bessere Entscheidungen.
Fazit: Drei Schritte zur empirischen Diversifikationsprüfung
Wer Risikolimits im Anlageplan verankert hat, braucht für deren Überprüfung eine belastbare Datengrundlage. Drei Schritte genügen, um aus der gefühlten eine empirische Diversifikationsprüfung zu machen.
Schritt 1: Gleiche Methode für Position und Depot
Berechnen Sie die Drawdowns jeder Position und des Gesamtdepots im identischen Zeitfenster, das mehrere Stressphasen umfasst. Entscheidend sind drei Vorgaben: Total-Return-Basis inklusive Ausschüttungen, eine einheitliche Währung und dieselbe Datenfrequenz. Erst dann sind Positions- und Depotwerte direkt vergleichbar. Bilden Sie das Verhältnis: Wie stark fällt das Depot gegenüber der schwächsten und der stärksten Einzelposition?
Schritt 2: Korrelation nur im Stress prüfen
Messen Sie die Korrelationen ausschließlich in den identifizierten Drawdown-Fenstern, nicht über den gesamten Zeitraum. In ruhigen Märkten sind sie niedrig und wenig aussagekräftig. Parallel gehört der Blick in die ETF-Bestandteile: Überschneiden sich die Top-Holdings mehrerer Fonds, wird derselbe Klumpen mehrfach gehalten. Solche Scheindiversifikation fällt erst im Stress auf.
Schritt 3: Toleranz festschreiben und kontrollieren
Halten Sie Drawdown-Toleranz und Risikolimits schriftlich im Anlageplan fest und prüfen Sie die Abweichungen in festen Abständen, etwa quartalsweise und nach jeder größeren Marktbewegung. Jede Überschreitung ist kein Urteil, sondern ein Auslöser für Analyse und bewusste Entscheidung.
Kernaussage: Nicht die Volatilität, sondern der maximale Verlust zeigt, ob Streuung im Stress wirklich trägt. Ein Depot, das im Drawdown deutlich weniger fällt als seine Einzelpositionen, hat seine Aufgabe erfüllt.
Ausblick: Die Einzelaktien-Daten liefern die Erwartungshaltung, die eigene Auswertung liefert den Beweis. Diese Prüfung lässt sich mit den Analysetools von Investboard wiederkehrend und ohne Bauchgefühl durchführen.